Interview mit Mannschaftsbetreuer Rainer Schwurack

2. Feb 2012  |  Kategorien: Interviews, Thema  |  1 Kommentar

Name: Rainer Schwurack
Geburtsdatum: 24.04.1956
Geburtsort: Wermsdorf
Beruf: Gebietsverkaufsleiter der Firma DOROW
Funktionen bei Stahl Riesa: beim FC Stahl 98 Fanbeauftragter von 2000-2003, Gründungsmitglied des TSV Stahl Riesa und seitdem Mannschaftsleiter

Stahl-Riesa.com: Grüß dich Rainer. Ich freue mich heut besonders mit dir ein Interview zu führen. Mittlerweile bist du aus dem Verein ja nicht mehr wegzudenken. Ich kann mich an Spiele gegen den FSV Zwickau oder VfB Chemnitz erinnern, in denen ich gemeinsam mit dir auf der Gegengerade im Ernst-Grube-Stadion stand und die Stahlwerkself in der Oberliga anfeuerte. Damals gab es natürlich die modernen Medien, wie das Internet, weniger. Der richtige Weg?

R.S.: Natürlich ist das Internet heutzutage nicht mehr wegzudenken. Auch im Verein ist es eine große Hilfe. Schon bei der Spielvorbereitung bis hin zur Ergebnisübermittlung ist es unentbehrlich.

Stahl-Riesa.com: Wie kamst du eigentlich zum Fußball in Riesa? Du kommst ja aus Oschatz? Was war dein erstes Spiel im Ernst-Grube-Stadion?
R.S.: Ich bin in Oschatz geboren, dort aufgewachsen und zur Schule gegangen. In unserer Klasse gab es zwei Fan-Lager, die eine Gruppierung fuhr sonnabends meistens mit dem Zug zur BSG Chemie Leipzig, die andere nach Riesa. Um Geld zu sparen, fuhren wir auch viel mit dem Fahrrad. Abends war dann Treffpunkt in der Mitropa zwecks Auswertung. Mein erstes Spiel im Ernst-Grube-Stadion war am 24.5.1970 gegen Stahl Eisenhüttenstadt. Das Spiel endete 1:0 für unsere BSG Stahl Riesa. Diese Eintrittskarte besitze ich heute noch!

Stahl-Riesa.com: Was war dein schönstes Spiel, welches sich am meisten eingebrannt hat in all den Jahren?!
R.S.: Es gab eigentlich viele schöne Spiele die man nicht vergisst. Hervorheben möchte ich dennoch im Oberliga-Aufstiegsjahr 2000 den 3:1 Sieg gegen den alten Erzrivalen Dynamo Dresden. Trainer Horst Rau brauchte unsere Jungs damals gar nicht groß motivieren. Ein Bild an der Kabinentür von besagter Zeitung reichte zu. Der gebürtige Riesaer und damalige Dynamosspieler Maik Wagefeld vor einem Amboss : “Wir werden den Stahl weich klopfen!” Das Ergebnis hatte historischen Wert, auch die Papiertaschentücher die nach Spielschluss in Massen auf den Rasen flogen. Damit wurde Dynamo noch zusätzlich gedemütigt! Aber noch ein Spiel welches sich tief eingeprägt hatte, war das letzte Oberligaspiel der Saison 2002 gegen den VfB Chemnitz, wo es für beide noch um den Klassenerhalt bzw. Relegationsspiel ging. Wir gewannen 4:2, mein Freund Endre Varga machte in der Nachspielzeit sein einziges Oberligator zum Endstand. Da brachen alle Dämme bei den Fans. Ich raste nach dem Abpfiff zum Anstoßpunkt, und grub den Glückspfennig wieder aus, den ich am Vorabend nach dem Abschlusstraining heimlich eingebuddelt hatte. Heute lachen manche noch darüber. Das Geldstück hat einen Ehrenplatz in meiner Vitrine. Vielleicht wird es demnächst nochmals gebraucht?

Stahl-Riesa.com: Du hast auch die schlimme Zeit der Insolvenz mitgemacht. Wie war das aus deiner Sicht?
R.S.: An diese Zeit denke ich ungern zurück. Da ich offizieller Fanbeauftragter war, gehörte ich mit dem Vorstand des FC Stahl Riesa 98 an. In den letzten Wochen vor der Insolvenz hatten wir mindestens 2 Sitzungen in der Woche bis spät in die Nacht hinein, ohne etwas Konstruktives. Es wurden uns immer mehr Zahlen vorgelegt, wo es einem schauderte. Letztendlich sollte noch eine GmbH gegründet werden, wo wir alle unterschreiben sollten. Ich weigerte mich, nach mir noch ein paar Andere, die mir heute noch dankbar sind dafür! Alle Achtung vor den Spielern, die bis zuletzt blieben, wie z.B. Endre Varga, der mir oft sein Leid klagte, weil er kaum Geld besaß, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Wir hatten einige Hilfsaktionen gestartet wie z.B. Aktien und “Grassamen für den Nachwuchs” aber das war alles ein Tropfen auf den heißen Stein!

Stahl-Riesa.com: Wie kam es eigentlich dazu, dass du dann beim neugegründeten TSV Stahl Riesa Mannschaftsleiter wurdest?
R.S.: Das war damals schon eine verrückte und aufregende Zeit. Hubert Lein rief mich eines Tages an, ob ich bereit wäre, einen neuen Verein mit zugründen. Ich sagte ab, weil ich mir nach der Insolvenz geschworen hatte, nie wieder etwas für den Riesaer Fußball zu machen. Aber das “Stahl-Herz” hatte doch gesiegt und es kam zum ersten Geheimtreffen im Riesaer Lindengarten. Dort lernte ich dann auch Stephan Robl kennen. Nach der Neugründung mussten Aufgaben verteilt werden. Auch um Spieler zu werben für unser Team, wir fingen ja wieder bei null. Ich habe mich dann mit solchen Spielern wie Silvio Huß, Thomas Liebegall, Michael Ackermann oder Ronald Kühne usw. in Verbindung gesetzt, die uns dann auch unterstützten. Hubert Lein fragte mich dann eines Tages, ob ich Mannschaftsleiter machen möchte und ich sagte spontan zu. Nun ist es schon der 4.Trainer unter denen ich diese Funktion ausübe und es macht immer noch Spaß!

Stahl-Riesa.com: Für Fans, die dich und deine Aufgabe nicht kennen. Was macht eigentlich ein Mannschaftsleiter alles?
R.S.: Ein ML ist eigentlich die “Gute Seele” der Mannschaft. Das Aufgabengebiet ist vielfältig und funktioniert nur in Verbindung mit dem Zeugwart. Wir sind eigentlich ein eingespieltes Team, dazu gehört aber auch unser Busfahrer Diddi Strauch, der überall mit aushilft, wo Not am Mann ist. Eine Hauptaufgabe u.a. ist, nach der Mannschaftsbesprechung die Aufstellung der Mannschaft zu übernehmen und im elektronischen System weiterzuleiten. Weiterhin die Schiedsrichterbetreuung vor und nach dem Spiel , auch die Versorgung der Mannschaft in der Halbzeitpause ist wichtig. Dazu zählen ebenfalls kleine medizinische Blessuren. Man sollte immer ein offenes Ohr für Probleme der Spieler haben und gegebenenfalls weiterleiten, ebenso gibt es öfters kleinere Extrawünsche der Spieler. Wichtig ist natürlich die genaue Buchführung der Gelben und Roten Karten, dort ist dieses elektronische System sehr hilfreich. Eigentlich ist man in dieser Funktion noch lange nicht perfekt. Natürlich gab es in den letzten Jahren auch mal Pleiten, Pech und Pannen. Aber daraus muss man lernen. Unser jetziger Trainer Ron Bößneck hat uns eine konkrete Aufgabenstellung ausgearbeitet, die als Richtlinie dienen soll!

Stahl-Riesa.com: Auch dein Sohn Sebastian Schwurack ist Mannschaftsbetreuer. Klappt das auch immer bei Vater und Sohn, oder gibt es da manchmal unterschiedliche Meinungen?
R.S.: Wie schon erwähnt, hier zählt Teamarbeit, und das der eine sich auf den anderen verlassen kann. Vor einiger Zeit übernahm Sebastian das Amt von unserem 1. Zeugwart Karsten Priebs und führt es gewissenhaft weiter. Für ihn auch eine Herausforderung, da er nebenbei noch ein Studium absolviert. Ich denke doch, im Ganzen ist die Mannschaft mit uns zufrieden. Als Dynamo Dresden vor kurzem bei uns gastierte, konnte ich Parallelen erkennen, wo wir uns in der Betreuung nicht verstecken brauchen, und die hatten einen weit größeren Betreuungskader!

Stahl-Riesa.com: Stahl hatte ja in den 8 Jahren seit der Gründung eine relativ hohe Fluktuation an Spielern. Hast du zu manchen Ehemaligen noch Kontakt?
R.S.: Eher weniger. Ab und zu, taucht mal einer zu unseren Punktspielen auf. Da schon eher ein unverhofftes Wiedersehen mit älteren Spielern. Wie z.B. vor kurzem in Freiberg, als ich in einem Metallbaubetrieb nach langer Zeit Knut Martick traf. Er ist dort LKW-Fahrer, die Freude war groß, wir tauschten gleich unsere Handy-Nummern aus. Oder bei unserem letzten Punktspiel der vorigen Saison in Bannewitz. Da stand auf einmal Eberhard Lippmann neben mir, bloß gut, dass ich den Fotoapparat bei mir hatte.

Stahl-Riesa.com: Was war dein schönstes Erlebnis mit dem TSV Stahl Riesa in der relativ kurzen Vereinsgeschichte? Welches in der ganzen Zeit im Riesaer Fußball?
R.S.: Ein unvergessliches Erlebnis in unserer noch jungen Vereinsgeschichte war unter anderem, das Bezirkspokalfinale gegen Kamenz, was wir letztendlich noch unglücklich mit 2:1 verloren. Wie wir es bis dorthin als Kreisliga-Mannschaft geschafft hatten, war der Hammer. Im Vorfeld hatte ich mit Ralf Vogel unsere jeweiligen Pokalgegner beobachtet und analysiert, das hatte riesigen Spaß gemacht, und der Erfolg hat uns recht gegeben. Dann natürlich unser Aufstieg in die Bezirksliga mit der anschließenden Aufstiegsfete auf dem Rathausplatz. Dort hatte Hubert Lein sein großes Organisationstalent voll zur Entfaltung gebracht! Noch heute schaue ich mir die Aufstiegs-DVD an. So einen Tag möchte ich gern noch einmal erleben! Auch die Trainingsreise als Kreisklasse-Mannschaft nach China ist eine bleibende Erinnerung. Sogar solche Medien wie “BILD” und “MDR” hatten darüber berichtet. Aber diese Reise könnte ich sicherlich ein Buch schreiben.

Stahl-Riesa.com: Nun zum aktuellen Geschehen. Der Kader wurde nach dem Abgang der Dresdner Stahlspieler wieder stark verstärkt. Welcher Neuzugang gefällt dir bisher am besten?
R.S.: Hier möchte ich keinen Spieler hervorheben, weil mir das nicht zusteht. Freuen tue ich mich das die Spieler fast alle aus unserer unmittelbaren Region kommen, und sich somit mit dem Verein identifizieren! Prima, das unser verlorener Sohn Danny Burda wieder zurückgekehrt ist, und mit seinen Toren sicherlich dazu beitragen wird, dass wir den Aufstieg schaffen. Auch unser Löffel hat nach seiner langwierigen Verletzung mit seinen derzeit 8 Treffern einen sehr guten Lauf!

Stahl-Riesa.com: Die Devise Aufstieg wurde vom Vorstand offiziell ausgegeben. Schafft der TSV diesen Aufstieg diese Saison? Wie weit werden wir im Sachsenpokal 2011/12 kommen? Was ist dein Resümee der Hinrunde?
R.S.: Ich bin zuversichtlich, dass wir es dieses Mal packen, zumal beide Aufstiegsaspiranten Pirna-Copitz und Freiberg, zu uns in die Nudel kommen müssen. Das Makabre war, ich war bei beiden verlorenen Spielen in der Hinrunde aus verschiedenen Gründen nicht zugegen. Da wurde in der Mannschaft schon geunkt. Das passiert mir nun nicht mehr! Aber auch mit unseren Fans im Rücken, siehe Regio-Cup, haben wir noch eine zusätzliche Motivation. Im Sachsenpokal stört mich das derzeitige Ansetzungsdatum. Da wir gerade am Anfang der Vorbereitung stecken und Plauen höchstwahrscheinlich schon weiter ist. Der Pokal hat seine eigenen Gesetze, hier könnten durchaus die Tagesform und die Platzverhältnisse ein Wörtchen mitreden. Ein Weiterkommen wäre einer Sensation gleichzusetzen!

Mannschaft der Lebenshilfe Oschatz

Stahl-Riesa.com: Du trainierst in Oschatz eine sehr spezielle Mannschaft. Erzähl mal? Wie kam es dazu?
R.S.: Die Stadt Oschatz war 2006 Austragungsort der Landesgartenschau. Dort war unter anderem ein Fußball-Turnier für Behinderte geplant. Ein Verantwortlicher der Lebenshilfe hatte erfahren, dass ich beim TSV Stahl Riesa integriert bin. Er sprach mich drauf an, ob ich nicht Lust hätte eine Mannschaft für dieses Turnier vorzubereiten. Erst war ich etwas skeptisch und dann aber schon überzeugt, die Jungs hatten einen vorbildlichen Ehrgeiz und Trainingsfleiß. Wir gaben uns den Namen “Oschatzer Löwen” und sind mittlerweilen 19 Jungs und 1 Mädchen. Einmal in der Woche sind 2 Stunden Training mit einer sehr guten Beteiligung. All das kann ich nur schaffen, mit einem sehr guten Co-Trainer der in der Lebenshilfe arbeitet. Mit den Jahren haben wir schon achtbare Erfolge errungen: Sachsen-Vizemeister und Hallen-Bezirksmeister. Letzter großer Erfolg war voriges Jahr bei den 1. Special Olympics in Riesa. Ein hervorragender 4. Platz von insgesamt 18 Mannschaften. Wir spielten auch schon ein Jahr in der Regionalklasse A, mussten dann aber leider wieder absteigen. Zwei Mal waren wir schon zu einem internationalen Turnier in der Nähe von Barcelona und kamen jeweils mit einem 4. Platz nach Hause. Demnächst bekommen wir mit Envia einen großen Brustsponsor, das macht uns alle sehr stolz.

Stahl-Riesa.com: Solch ein soziales Engagement ist sehr lobenswert. Danke Rainer für das Gespräch. Es war sehr schön mit einem solch fußballverrücktem Stahlfan, wie dir, zu reden. Ich wünsche dir alles Gute für deine private und berufliche Zukunft.


Ein Kommentar

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  1. OKW sagt:

    Schönes Interview mit Reiner. Sowas kommt besser als der knapp bemessene Fan der Woche, eine schöne Ergänzung dazu.

  2. Roswitha Lauckner geb.Hünniger sagt:

    Super Bilder hast du drin LG. Roswitha

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